Der 29. Juli 21 war für uns kein Tag wie jeder andere... und so freudig erwartet haben wir uns auch selten gefühlt.

Hochwasserhilfe aus Nordenham für die Ahr-Region

Wir - das sind Tanja Westphal & ich, Silvia Kerney .
Gemeinsam mit Sina Matthias und Melanie Schmidt haben wir in den vergangenen 14 Tagen Spenden für die Hochwasseropfer in NRW und Rheinlandpfalz gesammelt.

Zunächst für eine Hilfsaktion der "Tafel", doch deren Transportkapazitäten waren schnell erschöpft - so groß war die Hilfsbereitschaft in der Wesermarsch. Es konnten nicht alle Spenden auf den Weg gebracht werden:

Kurzentschlossen organisierten wir einen Transporter, sammelten anhand einer aktuellen Liste weitere Bedarfsgüter bei Betrieben, Vereinen und Privatpersonen, die helfen wollten.

Darunter so wichtige Dinge wie Wundsalben, Desinfektionsmittel, Pflaster, Vitaminpräparate, Arbeitshandschuhe und -jacken, Schutzbrillen, Schaufeln, robuste Besen, Putzlappen, Handtücher, Reinigungsmittel, Kärcher, Gehhilfen, Rollatoren, Windeln für Babys und Erwachsene, alle Arten von Hygiene- und Körperpflegeartikel, Getränke usw.

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Früh um 7 holten wir den Transporter ab, beluden ihn nicht ohne einige Anstrengung und machten uns auf den etwa 450 km langen Weg nach Kehrig - zu der Sammelstelle am Rand des Katastrophengebietes, mit der wir Kontakt aufgenommen hatten und wo man uns erwartete.

Direkt in den betroffenen Orten waren private Helfer nicht zugelassen, sie wurden abgewiesen - das hatten wir vorher erfahren.

Unterwegs gab es die üblichen Baustellen-Probleme in Osnabrück und es herrschte unglaublich viel (LKW)Verkehr auf den Autobahnen im gesamten Ruhrgebiet.

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Das Ziel kam näher...

Wir sind dabei auch an Leverkusen vorbeigefahren, zahlreiche Bundeswehrfahrzeuge und sogar Panzer verursachten ein beklemmendes Gefühl... noch ein Katastrophengebiet...

Je näher wir unserem Ziel kamen, desto häufiger sahen wir Hilfstransporte(r) und verkrustete, verschlammte Fahrzeuge - und im Vorbeifahren nicht selten übermüdete Helfer:innen darin...

Ich habe auch in meinem schon längeren Leben noch keine so verdreckte Autobahnstrecke gesehen - nicht mal in Baustellenausfahrten...

Als wir bei Maike Balzer ankamen, die in Kehrig (Kreis Mayen) die Sammelstelle organisiert hat, wurden wir sehr herzlich empfangen - man hatte sich schon Sorgen gemacht, weil unsere Fahrt doch länger gedauert hatte als gedacht. Das Telefonnetz in dem Ort funktioniert noch nicht wieder zuverlässig, da müsste man dann woanders hinfahren, um telefonieren zu können und nach dem Stand der Dinge zu fragen...

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Jon Doe

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Zum Vergrößern kann man
die Bilder anklicken

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Das Abladen ging flotter voran - wir waren jetzt zu viert

Danach gab es einen Latte Macchiato für uns und die Tochter hatte sogar Muffins gebacken.

Wir schauten nach den geretteten Tieren, die Maike augenommen hat, zusätzlich zu ihren eigenen - u.a. die "Flutkaninchen". Einen Wellensittich gab es auch noch.

Ihre restliche Familie war - wie jeden Tag - im Einsatz zum Aufräumen.

Und dann hörten wir Geschichten... sahen Bilder, die einem im Gedächtnis bleiben. Wir hörten vom Schicksal der Schwester, von Schulfreund:innen. Zum ersten Mal auch aus erster Hand von Problemen, die uns vorher gar nicht bewusst waren:

Die Opfer der Hochwasserkatastrophe kamen z.B. nicht mehr an ihr eigenes Geld!

Bankkarten - weg. PC und Tablet für Online-Banking, PIN und TAN - weg. Die örtliche Sparkasse, wo man noch wenigstens persönlich bekannt gewesen wäre - weggespült, mitgerissen, eingestürzt. Im unversehrten Geldinstitut der nächsten Gemeinde kennt einen niemand... und einen Personalausweis hat man ja auch nicht mehr. Ohne Ausweis kann man keine neue Bankkarte beantragen... ohne Bankkarte oder Ausweis kommt man nicht an sein Konto...

Zurück nach Hause

Der Abschied war herzlich, wir bleiben in Kontakt und schauen, was sich noch ergibt.

Der Rückweg war weniger beschwerlich, das Verkehrsaufkommen in den Abend- und frühen Nachtstunden deutlich entspannter.

Wir brauchten eine ganze Weile, das Gehörte und Gesehene miteinander zu verarbeiten.

Wieder Zuhause waren wir um ein Uhr nachts.

Ein langer Tag, in mehr als einer Hinsicht.

Wir danken nochmal allen Spendern sehr sehr herzlich!

Ihre Hilfe ist angekommen, wo sie dringend gebraucht wird - und wenn ich bei der Aufzählung jemanden vergessen sollte, nicht böse sein, einfach Bescheid sagen und ich ergänze die Liste

- Viktoria-Apotheke Nordenham

- Radiologie Varel

- Fischereigenossenschaft Fedderwardersiel

- Nah & Gut in Eckwarden

- Tiersuchdienst Wesermarsch

- Tierschutzverein Wesermarsch

- Sportstudio Dittrich Brake

- Zinkhütte Nordenham

- Bleihütte Nordenham

- Stührenberg Nordenham

- DAGO Nordenham

und zahlreiche private Spender, die einfach helfen wollten!

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Eine Sache möchte ich nicht unter den Tisch fallen lassen, die uns wirklich sprachlos gemacht hat:
Bis auf einen einzigen Karton, der sorgfältig verklebt und beschriftet war und Lebensmittel von Früchtetee bis Babynahrung enthielt, hatten wir alle Spenden durchgesehen und auf "Tauglichkeit" geprüft.
Und genau zu diesem Karton erreichte uns von Maike die Nachricht, dass jedes einzelne Lebensmittel sein Haltbarkeitsdatum überschritten hatte - am ältesten war ein Tee mit MHD aus 2011.
Da hat jemand seine Speisekammer entrümpelt, war mein erster Gedanke.
Das macht traurig. Und zornig.
War das wohl das Motto "die können froh sein, dass sie was kriegen"?
Was für ein Gefühl war das für die Helfer vor Ort, dass sie als Resterampe genutzt wurden und die unbrauchbaren Lebensmittel jetzt auch noch selbst entsorgen müssen!
Fazit: Wir werden von diesen 'Spendern' nichts mehr annehmen und wir werden in Zukunft wirklich JEDEN Karton durchsehen, auch, wenn er noch so schön zugeklebt ist.

So hatte es angefangen

Nordenham, 21. Juli 2021

Heute erreichte uns eine Liste von dringend benötigten Hilfsgütern für die Katastrophenregion - von jemandem, der am Wochenende dort selbst im Einsatz war.
 

Der Entschluss war schnell gefasst: Wir packen das an!
 

Derzeit sind wir mitten in der Organisation, fest steht:

Am Donnerstag, den 29. Juli, werden zumindest drei von uns - Tanja Westphal, Melanie Schmidt und Silvia Kerney - die Spenden in die Krisengebiete bringen, das genaue Ziel wird noch geklärt und abgesprochen, damit nichts schief geht.
 

Die ersten Spenden wurden schon zugesagt, die Liste angefordert - die Hilfsbereitschaft für die Menschen in ihrer unvorstellbaren Lebenssituation ist groß.
 

Wenn Sie sich beteiligen möchten, finden Sie alle Kontaktinformationen hier im Text und auf dem Bild.

Auch Firmen und Betriebe dürfen sich gern beteiligen.
 

Hilfen werden noch sehr lange vonnöten sein, die Betroffenheit bei uns und die Last der Opfer ist immens.

Bitte wenden Sie sich bei Fragen zur Hilfsaktion telefonisch an
 

Silvia Kerney unter 0151 123 191 49
 

Melanie Schmidt unter 174 909 80 55
 

und bitte per WhatsApp bei

 

Tanja Westphal unter 0176 229 77 343

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