
Wohin Mutlosigkeit führt - am Beispiel des Nordenhamer Rathausturmes
Nordenham, 27. Januar 26
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Der Zustand des Rathausturms ist nicht nur ein bauliches Problem – er ist das Ergebnis jahrelangen politischen Zauderns, organisatorischer Versäumnisse und eines viel zu lange praktizierten „Vorsichherschiebens“.
Dass Nordenham nun erneut mit akuter Gefährdungslage, Sperrungen und weiteren Zusatzkosten konfrontiert ist, war aus Sicht der Wählerinitiative vermeidbar, ist absehbare Konsequenz unterlassener oder vertagter Entscheidungen.
Spätestens 2013 wurde bereits ein umfassender Sanierungsbedarf des Turms festgestellt, seit 2016/2017 steht er unter einem Schutzgerüst, Gutachten 2018 und 2024 bestätigten die Unwirtschaftlichkeit einer Sanierung.
Nachdem – auch wieder sehr spät, nach langem Zögern und Zaudern - die Entscheidung getroffen wurde, ein Rathaus in der nördlichen Fußgängerzone zu bauen, war man der Meinung, dass die bisher auf den Weg gebrachten Sicherungsmaßnahmen bis zur Fertigstellung ausreichen würden.
Ein erneutes Gutachten hat dies leider nicht bestätigt. Es gab Warnungen, Gutachten und offenkundige Risiken – aber keine konsequente, zeitgerechte Umsetzung.
Immer neue Fragestellungen wurden formuliert, die eine grundsätzliche Entscheidung weiter nach hinten verschoben. Dann kam Corona, dann die Greensill Affäre und damit einhergehend der weitere Stillstand in der Rathausturm-Frage.
Es geht der WIN nicht um Schuldzuweisungen. Selbstkritisch fragen wir uns, warum wir nicht stärker insistiert, auf die Umsetzung der von uns eingebrachten Anträge gedrängt haben. Bereits 2016 hatten wir den Abriss des Rathausturms thematisiert.
Einen Rathausneubau als Mietkauflösung haben wir 2019 favorisiert. Eine Mehrheit und die Entscheidung dafür gab es erst 2025. Das zu einem Muster gewordene Zaudern wird zu einem je später, desto teurer führen.
Nach Anerkennen eines Problems muss zukünftig eine verbindliche, zügige Entscheidungskette und ein stringentes Projektmanagement her. Beim Rathausturm gab es mehr als 10 Jahre lang Übergangslösungen statt einer Abschlussentscheidung. Die politische Bearbeitung in Schleifen muss aufhören, dafür werden wir als Unabhängige uns verstärkt einsetzen.
Was nicht akzeptabel ist: Dass Nordenham nach Jahren der Erkenntnisse erneut in eine Lage gerät, in der „schnellstmöglich“ gehandelt werden muss – weil man es zuvor nicht getan hat.
Die WIN begrüßt die von der Verwaltung angeschobenen Planungen und fordert, diese ohne weitere Verzögerungen umzusetzen.
Dazu gehört zeitnah eine Übereinkunft mit den im Rathausturm Beschäftigen zu deren Unterbringung bis zum Neubau des Rathauses ebenso, wie die Beantragung der erforderlichen Genehmigung für den Abriss, damit spätestens Ende 2026 damit begonnen werden kann.
Außerdem muss endlich das Interessenbekundungsverfahren für den Rathaus-Neubau bis Ende Februar 2026 auf den Weg gebracht werden, dazu gehört unverzüglich eine europaweite Ausschreibung mit Einsendeschluss Ende September 2026, um entsprechende Bauanträge stellen zu können. Diese sind dann mit höchster Priorität zu bearbeiten, damit sich der Bau nicht unnötig weiter verzögert und weiter verteuert.
Der Rathausturm ist längst zu einem Symbol geworden für eine kommunale Entscheidungs- und Umsetzungsschwäche, die Nordenham sich weder finanziell noch organisatorisch weiter leisten kann. Dass es so weit kommen musste, ist aus Sicht der Wählerinitiative Nordenham ein Versäumnis der politischen Mehrheit über Jahre hinweg.
Die WIN erwartet konsequentes Handeln – transparent, zügig und ohne weitere Vertagungsschleifen.
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Ergänzungen:
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Aus öffentlichen Verlautbarungen der Stadt ergibt sich eine bemerkenswert klare Linie:
a) Spätestens 2013 wurde ein umfassender Sanierungsbedarf festgestellt.
b) Seit 2016/2017 steht der Turm unter Schutzgerüst und wird nur noch provisorisch genutzt.
c) Gutachten 2018 und 2024 bestätigten die Unwirtschaftlichkeit einer Sanierung.
d) Die Stadt musste bereits in der Vergangenheit Bereiche sperren und Mitarbeitende verlagern, weil Fassadenschäden und der Abgang von Bauteilen nicht sicher ausgeschlossen werden konnten.
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Es gab Warnungen, Gutachten und offenkundige Risiken – aber keine konsequente, zeitgerechte Umsetzung.
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Das Muster der letzten Jahre: Reaktiv statt vorausschauend
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Wenn man die öffentlich sichtbaren „Pressetexte“ und Mitteilungen (Stadtmeldungen, Ratsunterlagen, politische Anträge) der letzten rund zehn Jahre zusammennimmt, entsteht ein wiederkehrendes Muster:
1. Trotz Anerkennen des Problems – keine verbindliche Entscheidungskette
Stadtseitig wird seit Jahren von „marode“, „erheblichen Schäden“ und Sicherheitsrisiken gesprochen. Das Problem war nie unsichtbar – aber es blieb über lange Strecken folgenarm in der Entscheidungspraxis.
2. Es gab Übergangslösungen statt einer Abschlussentscheidung
Sperrungen, Umzüge, Prüfungen, Provisorien: Das sind notwendige Sofortmaßnahmen – sie sind aber kein Ersatz für ein stringentes Projektmanagement (Zeitplan, Finanzierung, Beschlusslage, Umsetzung).
3. Politische Bearbeitung erfolgte in wiederkehrenden Schleifen
Dass der Turm wiederholt Gegenstand von Anträgen und Beratungen war, ist dokumentiert – bis hin zu älteren WIN-Anträgen, die bereits 2016 ausdrücklich den Abriss Rathausturm thematisierten.
Und noch in der laufenden Ratsarbeit taucht das Thema wiederkehrend auf (z.B. Anträge/Listenpunkt „Rathausturm“ bzw. „Verkauf Rathausturm“).
4. Die Kosten- und Folgekostenlogik: Je später, desto teurer
Jede Verzögerung erhöht erfahrungsgemäß die Gesamtkosten durch Baupreissteigerungen, zusätzliche Sicherungsmaßnahmen und Betriebsbehelfe. Genau diese Dynamik wird nun wieder sichtbar.
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Die aktuelle Lage erfordert: Sicherheit zuerst – aber diesmal mit Konsequenz!
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Wenn – wie die Stadt bereits in früheren Mitteilungen schreibt – der Gutachter erhebliche Fassadenschäden feststellt und ein Abgang einzelner Elemente nicht sicher ausgeschlossen werden kann, dann ist die Priorität eindeutig: Sicherung von Menschen und Verkehrsraum.
Dass im Umfeld des Rathausturms wiederholt Sperrungen notwendig sind (zuletzt auch straßenbezogene Maßnahmen), unterstreicht die Dringlichkeit.
Was es jetzt braucht:
1. Verbindlicher Ratsbeschluss mit Umsetzungsfahrplan
Ein öffentlicher, terminierter Plan (Abrissvorbereitung, Ausschreibung, Vergabe, Abriss, Übergangs- und Neubaukoordination) mit Verantwortlichkeiten.
2. Transparente Gesamtkostenrechnung – inklusive Verzögerungskosten
Nicht nur „Abriss/Neubau“, sondern auch: Gutachtenkette, Gerüst/Schutzmaßnahmen, Sperrungen/Umleitungen, Umzüge, Miet- und Betriebskosten, Projektsteuerung – sowie eine nachvollziehbare Darstellung, welche Mehrkosten durch Verzögerungen entstanden sind.
3. Externe Projektsteuerung und Risikocontrolling
Bei Projekten dieser Größenordnung muss professionell gesteuert werden: Meilensteine, Risikomatrix, Kosten-/Termincontrolling, regelmäßiges Reporting in öffentlicher Sitzung.
4. Lückenlose Sicherheitskommunikation
Klare Information an Anwohnende, Mitarbeitende, Gewerbe und Verkehrsteilnehmende: Gefahrenlage, Sperrbereiche, Dauer, Alternativen.
5. Politische Aufarbeitung ohne Ausflüchte
Es geht nicht um Schuldzuweisungen an einzelne Personen, sondern um strukturelle Verantwortung: Welche Entscheidungen wurden wann vertagt – und warum? Welche Optionen lagen auf dem Tisch? Welche Warnungen wurden nicht in Handeln übersetzt?
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